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Die Glaubwürdigkeit von Politik und Medien

5.05.2015 Kein Kommentar

Gesellschaft aus der Balance?

Die Grundsatzfrage nach der richtigen Balance in der Gesellschaft trieb im Podium zur Glaubwürdigkeit von Medien und Politik die drei Podiumsgäste Johann Michael Möller (MDR- Hörfunkdirektor), Bodo Ramelow (Ministerpräsident Thüringen) und Frank Richter (Sächsische Landeszentrale für politische Bildung) unter der Moderation von Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem (Bundesverfassungsrichter a.D.) um.

Nicht erst seit den Demonstrationen in Dresden stellt sich die Frage nach dem Vertrauensverlust der Bürger in die Berichterstattung der deutschen Medien. Auch die Berichte rund um den Konflikt in der Ukraine oder den Absturz der Germanwings Flugmaschine in Südfrankreich lassen starke Kritik an den Medien laut werden. Sind die Medienmacher, -Produzenten und -Herausgeber überfordert mit der Schnelligkeit und Fülle der neuen Medien und sozialen Netzwerke?

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Bodo Ramelow (links) im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem.

Ramelow jedenfalls betonte im Panel die Schwierigkeit heutzutage zwischen Nachrichten und Behauptungen zu unterscheiden und plädierte für eine Neustrukturierung der Regulierung von Medien und Prüfung von Nachrichten. Ein kritischer Dialog sei dafür ein gelungener Anfang. In diesen traten dann die vier Vertreter aus Politik und Medien auch rege ein.

Richter, welcher sich in den letzten Monaten ausgiebig mit den Demonstrationen in Dresden auseinandersetzte und versuchte den Dialog in der Gesellschaft zu fördern, kritisierte dabei die schnelle Verurteilung der Demonstranten durch die Medien und forderte eine offenere Dialogbereitschaft.

 

Die neuen Medien gäben kleinen Gruppen die Möglichkeit sich zu artikulieren. So seien sie nicht mehr auf Dolmetscher angewiesen, sagte Johann Michael Möller und betonte die Wichtigkeit der Dolmetscherfunktion der Medien.

Medien funktionierten jedoch oft über die negative Berichterstattung, betonten zu oft Dinge, die in der Politik nicht funktionieren würden und unterstützen dabei die Unsicherheit und negative Stimmung seitens der Bevölkerung kreidete Ramelow den Negativjournalismus der Medien an.

Hoffmann-Riem machte deutlich, dass nicht nur aus Medienreihen die Politik stark kritisiert werde, sondern auch die Politik vor Medienkritik nicht Halt mache.

Neben der Hoffnung auf einen weiterhin offenen, kritischen Dialog von Politik und Medien prangerten Richter und Möller die Missachtung von bestimmten sozialen Gruppen in der Berichterstattung an. Dies warf die Frage nach der Verantwortung der Eliten auf.

Um ihre Funktion in der Gesellschaft erfüllen zu können, müsse aber auch der starke Druck von den Journalisten genommen werden, betonte Möller weiterhin.

Übrig blieb am Ende der Versuch, die Frage zu beantworten, welcher Verantwortung sich die Gesellschaft denn nun stellen müsse um die, vermeintlich verlorene Balance wiederzuerlangen.

Auch die Antworten auf diese Fragen kratzen tief an den gesellschaftlichen Grundsätzen. Über die Forderung nach mehr sozialer Sicherheit (Ramelow) und mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt (Richter), bis hin zum Wunsch nach einem Rückgewinnen des Verhältnisses zur Freiheit (Möller) machten die Podiumsgäste deutlich, dass in der Vertrauensfrage noch viel Arbeit sowohl vor Politik und Medien, als auch der Gesellschaft als Ganzes läge.

So schloss Prof. Dr. Hoffmann-Riem mit dem Hinweis, dass in einer Gesellschaft auch Unbalanciertes förderlich sein könne.

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