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Medien in Südosteuropa: Wachhund oder Schoßhündchen?

10.05.2016 Kein Kommentar

Panel_Alternativen-zu-alten-Strukturen_2Die deutsche Medienberichterstattung über unsere östlichen Nachbarn und die übrigen Länder in Osteuropa fällt häufig vor allem negativ aus. Das ließ sich zuletzt z.B. im Falle der Ukraine-Krise und der Beziehungen zu Russland und aktuell in Bezug auf die politischen Entwicklungen in Polen beobachten.

Die Veranstaltung „Alternativen zu alten Strukturen – Entwicklung der Medien in Mittel- und Osteuropa“ widmete sich der Frage, wie es um die Medien in Osteuropa steht und welche Möglichkeiten es gibt, strukturelle Veränderungen einzuleiten.

Neben dem Leiter des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung, Christian Spahr, waren der serbische Branko Čečen und Ivo Prokopiev aus Bulgarien auf dem Podium vertreten. Čečen hat selbst als Redakteur und Reporter gearbeitet und ist seit 2010 als Direktor des Institutes für investigativen Journalismus aktiv. Prokopiev vertritt Bulgarien in der  European Newspaper Publishers‘ Association und der World Association of Newspapers.

Zu Beginn des Panels wurde angemerkt, dass sich für viele Länder Osteuropas ein Negativtrend abzeichnet. Ein Zeichen dafür sind die Platzierungen auf der Rangliste der Pressefreiheit: Neben Serbien und Bulgarien ist die Mehrzahl der südosteuropäischen Länder lediglich im Mittelfeld bzw. hinteren Bereich wiederzufinden.

Generell sei das Misstrauen der Bürger in die Medien und politische Kommunikation gering. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass nur einer von acht Bulgaren die Medien für frei hält. Nun könnten Parallelen zu Deutschland gezogen werden, in dem laut einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Rundfunks immerhin 40% der Bürger eine skeptische Haltung gegenüber den Medien einnehmen. Dennoch gibt es grundlegende Unterschiede zwischen verschiedenen nationalen Mediensystemen. Während Deutschland mit den Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über Medien verfügt, die ihrer Charakteristik nach Staatsferne garantieren sollen, befindet sich ein Großteil südosteuropäischer Medien in Besitz von Oligarchen. Viele dieser pflegen Kontakte zu wirtschaftlichen und politischen Institutionen der jeweiligen Länder. Daraus folgt, dass die Lage der Medien und die wirtschaftliche Situation zusammenhängen und je nach wirtschafts- politischer Lage stabiler oder instabiler sind.

Auf dem Podium wurde zudem vor zu großen Erwartungen seitens des Westens und der EU gewarnt. So hätte eine EU-Mitgliedschaft nicht automatisch zur Folge, dass sich osteuropäische Medienakteure westeuropäischen Standards anpassen würden. Die Gründe dafür liegen auch in der allgemeinen Skepsis gegenüber der EU und anderen Regionen. Neben der EU üben auch Russland, die Türkei und arabische Staaten Einfluss auf die Medien in Osteuropa aus.

Einigkeit bestand am Ende darin, dass die Presse stets als Wachhund agieren und den Mächtigen auf die Finger schauen sollten – und das sowohl in Bezug auf die inländische wie auch außenpolitische Agenda.
Die politische Stabilität Osteuropas ist daher sicher ein Aspekt. Vor allem aber sollte die Position der Medien gestärkt werden, indem sie erreichbar für die Bürger sind und Partizipation erlauben.

Wir haben im Anschluss an die Diskussion mit Christian Spahr gesprochen und ihn gefragt, worin er Gründe für die Lage der mangelnden Medienfreiheit in Südosteuropa sieht und was seiner Meinung nach besser gemacht werden kann.

 

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